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PIXELS & TRAVELS

Reisen · 28. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit

Über den Aletschgletscher zur Konkordiahütte

Zwei Tage auf dem Eis: von Grindelwald hinauf aufs Jungfraujoch und von dort mit Bergführer Richie über Firn, Blankeis und Moräne zur Konkordiahütte.

Sonnenaufgang über dem Konkordiaplatz, die Sonne bricht als Stern über den verschneiten Graten durch

Konkordiaplatz, Aletschgletscher · 46.4936° N · 8.0486° E

Zwei Tage auf dem Grossen Aletschgletscher, dem längsten und mächtigsten Eisstrom der Alpen: Auf diese Tour haben wir uns lange gefreut. Am Sonntag reisen wir nach Grindelwald, dem Ausgangspunkt der ganzen Geschichte. Am Abend essen wir im Restaurant Pinte, wo es richtig lecker ist und wir uns in aller Ruhe auf die kommenden Tage einstimmen. Übernachtet haben wir im Hotel Residence: eher älter und etwas in die Jahre gekommen, aber völlig in Ordnung, und am Morgen gibt es eine feine Frühstücksbox zum Mitnehmen.

Mit dieser Box im Rucksack fahren wir am Montag hinauf aufs Jungfraujoch. Auf 3454 Metern ist die Luft dünn und der Wind kalt, während unten im Tal Hochsommer herrscht. Wir nehmen uns Zeit für die Rundtour mit allen Viewpoints, stehen lange am Fenster über dem Gletscher und laufen durch die Eisgrotte, in der die Wände blau leuchten und der Boden spiegelglatt ist. Es war hammer, und der Gedanke, gleich selbst da unten unterwegs zu sein, macht die Vorfreude nur noch grösser.

Genau hier ist auch der Treffpunkt mit Richie, unserem Bergführer für die kommende Zweitagestour. Wir bekommen Steigeisen und Klettergurt, er zeigt uns, wie man beides richtig anlegt, erklärt das Seil und was zu tun ist, wenn jemand einbricht. Die Knoten macht er gleich selbst. Wir sind eine Gruppe von zwölf Personen, und als alle angeseilt sind, gehen wir los, hinaus aufs Nährgebiet des Gletschers. Der Schnee ist noch fest von der Nacht, und meistens hören wir nur unsere Schritte und das Seil, das über den Firn schleift, dazwischen aber immer wieder ein Knacken im Eis oder das Rauschen eines Gletscherbachs irgendwo unter uns.

Je weiter wir absteigen, desto weniger Schnee liegt, bis wir irgendwann auf blankem Eis laufen. Die Steigeisen beissen sich mit einem satten Knirschen fest, und plötzlich sieht man, was unter der weissen Decke steckt: Spalten, Rinnen, geschliffene Wellen und ein Blau, das aus der Tiefe zu kommen scheint. Richie sucht die Linie, wir folgen ihm in seinen Spuren.

Spalten und geschliffene Rinnen im blanken Eis des Aletschgletschers

Am Rand wird das Eis dann von Gletschermoräne und Steinschutt abgelöst. Wir balancieren über lose Blöcke, bis wir am Fuss der berühmten Treppe stehen: gut 550 Stufen führen an der Felswand hinauf zur Konkordiahütte. Sie sind der sichtbarste Beweis dafür, wie stark der Gletscher geschrumpft ist. Als die Hütte gebaut wurde, lag sie fast auf Höhe des Eises, heute klebt sie hoch über dem Gletscher, und die Treppe musste immer wieder verlängert werden. Stufe für Stufe, mit schweren Beinen und dem Gletscher im Rücken, ist der Aufstieg richtig abenteuerlich.

Blick von der Terrasse der Konkordiahütte über den Gletscher

Oben auf knapp 2850 Metern werden wir mit einem Abendessen belohnt, das nach diesem Tag doppelt so gut schmeckt: zuerst eine Broccoli-Zucchetti-Suppe, dann ein Couscous-Salat und danach Älplermagronen. Zum Dessert gibt es für alle Schoko-Brownies, und für Nicolas kommt eine Linzertorte mit einer Kerze darauf an den Tisch. Annina hat sie heimlich organisiert, weil er heute Geburtstag hat, und die ganze Hütte singt Happy Birthday. Wir haben ein Doppelzimmer mit Blick auf Jungfrau und Eiger, und als die Sonne verschwindet, wird es draussen vollkommen still. Kein Auto, kein Dorf, kein Licht, nur der Konkordiaplatz, auf dem vier Firnströme zum grossen Aletschgletscher zusammenfliessen, und darüber ein Himmel voller Sterne.

Um 05:00 klingelt der Wecker. Frühstück in der noch dunklen Stube, mit Brot, Käse, Marmelade und Müesli, dann Steigeisen und Gurt anziehen, und um sechs Uhr stehen wir wieder angeseilt auf dem Eis, diesmal Richtung Fiesch. Die ersten Sonnenstrahlen erwischen zuerst nur die Grate hoch über uns und färben sie orange, während wir unten noch im kalten Blau des Schattens laufen.

Erstes Sonnenlicht auf den Graten, der Gletscher liegt noch im kalten Schatten

Stundenlang wandern wir über den Gletscher, den dunklen Mittelmoränen entlang, die wie Fahrspuren durch das Eis ziehen. Der Massstab hier oben ist schwer zu fassen: Was aussieht wie ein kurzer Spaziergang bis zur nächsten Felsnase, dauert eine halbe Stunde. Erst am Rand, wo der Gletscher an die Felsen stösst, tauchen wieder erste Gräser und Sträucher auf, dazwischen Bäche aus Schmelzwasser. Beim Märjelensee verlassen wir das Eis endgültig, und wir schauen noch lange zurück auf den Weg, den wir gekommen sind.

Gletscherrand mit ersten Gräsern und Schmelzwasserbächen beim Märjelensee

Vom Märjelensee wandern wir weiter in Richtung Fiescheralp, von dort bringen uns Gondel und Zug zurück nach Basel. Der Wechsel könnte kaum grösser sein: am Mittag noch Steigeisen an den Füssen und die wilde Natur um uns, am Abend wieder daheim auf dem Sofa in der lebendigen Stadt. Zwei Tage, die sich angefühlt haben wie eine kleine Expedition mitten in der Schweiz.

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