Nach dem Frühstück packen wir, wie wir es schon von unserer Schwedenreise gewohnt sind, alles wieder zusammen und räumen das Hüttchen. Geübt wie wir sind, haben wir das eher schnell erledigt und können pünktlich das Häuschen und den Campingplatz verlassen. Leider ist das Wetter immer noch nicht viel besser, aber gegen den Nachmittag soll es schön werden! Wir fahren weiter Richtung Süden der Lofoten zu unserer nächsten Unterkunft in Hamnøy. Unterwegs machen wir viele Stops, um die Landschaft zu geniessen. Wir fahren wieder auf unserer altbekannten E10 Strasse, welche hier übrigens beinahe die einzige Strasse ist. Die Strasse führt an der Küste entlang mit Meer- und Bergsicht.
Auf dem Weg sehen wir weitere Seeadler am Himmel auf Beutejagd. Wir kommen in der Nähe von Eggum an einem alten Wikingerhaus vorbei, das heute ein Museum beherbergt. Das sogenannte Langhaus wurde teilweise restauriert und nachgebaut. Wir beschliessen aber nicht in das Museum zu gehen, da wir noch eine wunderschöne Strecke vor uns haben. Wir fahren einige Umwege, um uns auch die abgelegensten Dörfchen anzusehen. Unser erster Halt ist beim “Skagsanden Beach”, einem Sandstrand, an welchem auch das Lofoten Beach Camp liegt, in welchem wir einmal vorhatten, zu übernachten. Badewetter ist jedoch nicht angesagt. Es ist sehr bewölkt und regnet zwischendurch immer wieder. Trotz tiefen Temperaturen gibt es einige Surfer und Kajakfahrer, die sich ins Meer trauen (natürlich mit dickem Neoprenanzug).
Etwas Gutes hat das regnerische Wetter trotzdem, wir haben selten so viele und intensive Regenbogen gesehen wie an diesem Tag. Wir sind froh, wieder ins warme Auto gehen zu können und fahren weiter bis zum “Rambergstranda”, einem weissen Sandstrand in Ramberg.
Wir spazieren etwas am Meer entlang und gehen in den Lofoten Store in Ramberg. Bevor wir weiter an die Ostküste fahren, machen wir einen Umweg nach Fredvang. Wir überqueren zwei wunderschön gelegene Brücken, um den Ort zu erreichen. Wir fahren zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf einen Strand und Berge ringsherum. Auch hier werden wir mit einem Regenbogen begrüsst. Wir erkunden die Gegend noch und sehen erneut einen Seeadler über uns kreisen.
Mit vielen neuen Fotos fahren wir zu unserem eigentlichen Ziel für heute. Hamnøy liegt im Süden der Lofoten und ist ein kleines Fischerdorf. Heute ist es bekannt für seine wunderschöne Lage und stellt wegen der Kombination von Meer, Bergen und roten Fischerhäuschen ein klassisches Fotomotiv der Lofoten dar.
Wir freuen uns sehr, hier 5 Nächte verbringen zu dürfen. Die Häuschen der Anlage “Eliassen Rorbuer” sind nach ihrem Gründer, Herrn Eliassen, benannt. Er gründete hier vor über 150 Jahren zusammen mit einem Freund ein Fischerdörfchen. Es war damals das wichtigste Fischerdorf der Lofoten. Natürlich lebten sie vom Stockfisch-Fang, welchen sie verkauften. Bis zu 145000 Tonnen Stockfisch fingen sie in einem Jahr. Als die Erbeutung eines Jahres weniger wurde, kam Eliassen auf die Idee, die Fischerhütten zu vermieten. Sie lebten danach nicht nur vom Fischfang, sondern auch vom Tourismus. Bis heute werden die Fischerhütten vermietet. Und wir haben das Glück, in einer solchen traditionellen Fischerhütte zu wohnen. Wir haben Blick auf den Hafen und den bekannten Berg von Hamnøy. Gleich nebenan gibt es in einer Scheune eine Ausstellung über Hamnøy mit Bildern von früher. Wir schauen uns um und gehen zu dem bekannten Fotospot auf der Brücke gleich bei Hamnøy. Von dort aus haben wir Sicht auf die roten Fischerhäuschen, den Berg und das Meer. Annina hat ein Puzzle mit 3000 Teilen zu Hause mit genau diesem Motiv. Wir geniessen den Blick und machen fleissig Fotos. Auch zum Sonnenuntergang kommen wir nochmals an diesen Ort, denn endlich scheint hier einmal die Sonne!
Das in Sonnenlicht getauchte Hamnøy sieht wunderschön aus. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir allerdings noch nicht, dass es noch schöner aussehen könnte… Am Abend gibt es Reis mit einer indischen Sosse und Salat. Wir essen mit Blick auf den Hafen und schauen den Möwen zu. Doch der Tag ist nicht vorbei. Natürlich schauen wir immer wieder die Nordlicht-Vorhersagen an, denn ab September ist es ungefähr möglich, Nordlichter am Himmel zu sehen. Die Wahrscheinlichkeit, Nordlichter zu sehen, beträgt heute 18%. Es wird hier eher spät dunkel, aber wir bleiben wach, um die Chance auf Nordlichter nicht zu verpassen, denn heute ist es nicht so stark bewölkt in der Nacht. Wir packen uns warm ein, nehmen unsere Kameras und Stative und gehen zu der Brücke, um Ausschau zu halten. Wir selber sehen erst nichts Ungewöhnliches, aber unsere Kameras können eindeutig Nordlichter festhalten, zuerst ganz schwach, aber dann immer deutlicher, bis die Wolkendecke sich immer mehr verzieht und Sicht auf einen sternenübersäten Himmel freigibt. Und dann endlich können wir auch die grünen tanzenden Lichter am Himmel erkennen. Wir schauen dem Naturspektakel von der Brücke aus zu und können unser Glück kaum fassen. Auch ein Wiesel besucht uns auf der Brücke, um die Nordlichter zu sehen.
Als das Licht wieder schwächer wird, wollen wir, durchgefroren wie wir sind, wieder ins Warme zurückkehren, doch direkt bei unserer Hütte beim Hafen kommen die schönsten und stärksten Nordlichter. Hier gibt es weniger Lichtverschmutzung, sodass wir die Lichter noch besser sehen können. Der Himmel leuchtet grün und die Lichter tanzen über uns und den ganzen Himmel.
Dieses Erlebnis ist eindeutig etwas vom schönsten, was wir je erlebt haben. Glücklich und total durchgefroren kehren wir in der Nacht nach 2 Uhr in unser Häuschen zurück und wärmen uns mit einer heissen Suppe auf, bevor wir schlafen gehen.
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